Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer. (Sacharja 9,9)
Kleiner König
Was weißt du, Mensch, schon von einem König? Du, der du meinst, die Welt ändern zu können – Regierungen abwählst, Parlamente stürzt, Revolutionen ausrufst. Selbst die Klimakatastrophe willst du verhindern und Eisbären in der Arktis retten. Könige kennst du nur aus der Klatschpresse: zur allgemeinen Unterhaltung der Bevölkerung.
Was weißt du schon von einem Herrscher, dem du bedingungslos untergeben bist? Dessen bloße Laune alles verändern kann. Ein Fingerschnipp genügt und er entscheidet über dein Leben und deinen Tod, über das deiner Familie, deiner Freunde, deines Dorfes, deines Landes.
So ausgeliefert zu sein, das ist nichts für dich. Du hast dich von deiner Unmündigkeit befreit. Mit deiner Technik beherrschst du die Dinge. Dein Leben, glaubst du, bestimmst du selbst.
Was sehnst du dich nach einem hilfreichen und gerechten König? Gerechtigkeit bedeutet für dich: wählen, abstimmen, Mehrheitsrechte, finanzieller Ausgleich. Du hilfst mit viel Geld, per Überweisung und immer mit einem guten Gewissen.
Aber dein König kommt klein zur Welt, hilflos, nackt und schreiend, weil er die Überheblichkeit des Menschen kennt. Den Wunsch, immer über den Dingen stehen zu wollen, unabhängig, nie ausgeliefert.
Er ist machtlos, weil du mächtig sein willst und schwach, weil du stark sein willst. Gott ist Mensch geworden, weil er dich besser kennt als du dich selbst. Er weiß von deiner tiefen Sehnsucht nach mehr Gerechtigkeit und Hilfe hinter all der Schutzfassade. Schon lange ist er auf dem Weg zu dir. Er sucht dich, Mensch.
Pfarrerin Stefanie Hoppe
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