| Was ist (Negro-)Spiritual? Das Spiritual entstand mit Beginn der Sklaverei im 16./17. Jahrhundert in den USA. Die unterdrückte schwarze Bevölkerung fand damals Trost und Zuflucht im christlichen Glauben. Diesem Glauben verliehen sie durch ihre Musik Ausdruck, versteckten zugleich aber auch diverse Botschaften (Auflehnung, Flucht etc.) hinter den christlichen Metaphern innerhalb der Liedtexte. Die musikalischen Wurzeln des Spirituals liegen größtenteils in der vorherigen Heimat der Sklaven und Unterdrückten. Die rhythmische Gestaltung und das Tonmaterial der Spirituals entstammen daher größtenteils afrikanischen Kulturen, wurden aber auch durch die „weiße Musik" geprägt. Die meisten Spirituals entwickelten sich während schwarzer Gottesdienste aus improvisatorischer Zwiesprache (call-and-response) zwischen Prediger und Gemeinde und wurden dann durch das typische Klatschen und Schnipsen begleitet, | was das einstige Trommeln religiöser Zeremonien ersetzte. Viele Spirituals entstanden auch im Alltag, vor allem während der (Sklaven-)Arbeit. Was ist Gospel? Der Begriff „gos-pel" stammt aus dem Englischen und ist vermutlich eine Zusammenziehung von „good spell" - gute Nachricht oder „god spells" - Gott spricht. Die Wurzeln des Gospels liegen im Spiritual, das sich nach Abschaffung der Sklaverei erstmals ungehindert in den neu gegründeten Kirchen und in den erstmals legitimen Musikergruppen entfalten konnte. Zusätzlich griff man Elemente des Jazz auf, der die Musik rhythmisch noch lebendiger machte. So konnten die Traditionen des Spirituals weitergeführt, ausgebaut und verfeinert werden. Gospels werden schon lange nicht mehr nur in Kirchen gesungen. Es gibt eigenständige Gospelkonzerte, Gospelaufnahmen und sogar Gospel-Radiosender. Auch in |
der europäischen Kirchenmusik sind Gospels in vielen Gemeinden wichtiger Teil der Gottesdienste geworden. Viele populäre Songs borgen sich Elemente aus der Gospelmusik oder sind gar moderne Interpretationen bekannter Gospelsongs. Kinofilme wie „Sister Act" mit Whoopi Goldberg oder „The Prea-cher's Wife" mit Whitney Houston trugen zusätzlich sehr zur Popularität der Gospelmusik bei. Wo liegt der Unterschied? Im Gegensatz zu improvisierten Spirituals, den spontanen Gruppenschöpfungen, entstanden Gospels meist durch Komposition einzelner Musiker und wurden stark vom Jazz geprägt. Während die Texte der Spirituals eher den Geschichten des Alten Testaments entsprechen, lehnen sich Gospeltexte an den Leidensweg Jesu und das Neue Testament an. Was ist Worship? „Praise and Worship" bedeutet auf deutsch „Lobpreis und Anbetung" und |
bezeichnet verschiedene Ausdrucksformen christlicher Frömmigkeit. Im Lobpreis rühmt der Gläubige die Taten Gottes, in der Anbetung verehrt er Gottes Wesen. Worship zählt, wie auch Gospel, zur modernen christlichen Musik. Die Wurzeln dieser Musik liegen aber, anders als beim Gospel, in erster Linie in den (weißen) amerikanischen Kirchenerneuerungsbewegungen, die statt der traditionellen Gemeindelieder Popmusik mit geistlichen Texten in den Gottesdienst einbrachten. Frühe Worship-Songs aus den 70er und 80er Jahren waren meist sehr schlicht und kurz, wurden dafür aber mehrfach wiederholt. Seit den 90er Jahren werden zunehmend musikalisch und textlich anspruchsvollere Lieder komponiert.
aus: Programmheft zum Jubiläumskonzert:10 Jahre Spisis in der Lutherkirche am 1.10.2005 |