
Drei der Jubilarinnen berichteten, wie es damals bei Ihrer Konfirmation gewesen ist.
Mein Name ist Gerda Schönfeld.
Ich wurde im April 1924 in Spandau geboren und in der Lutherkirche getauft.
Ich möchte sie heute auf eine kleine Zeitreise mitnehmen und zwar 70 Jahre zurück. Wir befinden uns also im Jahr 1938, dem Jahr meiner Konfirmation. Wie war es damals?
Wir hatten ein Jahr Konfirmationsunterricht - getrennt für Jungen und Mädchen - durchlaufen. Obwohl Adolf Hitler schon fünf Jahre an der Macht war, merkten wir im Unterricht ideologisch noch nichts davon. Später erst erfuhren wir dann aber, dass unser Pfarrer Rehse in der Partei war und sogar seine SA Uniform unter dem Talar getragen haben soll.
Zur Prüfung, die gemeinsam mit den Jungen stattfand, trugen wir Mädchen hellfarbige, etwas festliche Kleider. Ich zum Beispiel hatte ein hellblaues Taftkleid, dass ich später auch stolz zu meinem ersten Tanzstundenball trug. Zur Konfirmation dann hatten wir Mädchen schwarze oder zumindest dunkelblaue Kleider, schwarze Schuhe und Strümpfe, weiße Handschuhe, ein Spitzentaschentuch und einen hübsch gebundenen Blumenstrauß.
Die Jungen trugen einen dunklen Anzug mit langen Hosen - meistens zum ersten Mal in ihrem Leben. Alles entsprach an dem Tag der Bedeutung und Feierlichkeit der Konfirmation.
Wir versammelten uns in dem kleinen Raum, der jetzt der "Luthertreff" ist; der Weg bis zum Altar kam uns endlos vor - der Kirchraum war ja damals noch nicht umgebaut. Im feierlichen Gottesdienst erfolgte dann die Konfirmation. Wir erhielten unseren Konfirmationsspruch, den Segen und zum ersten Mal das Abendmahl. Es war alles sehr eindrucksvoll. Ein Gruppenfoto wurde damals leider nicht gemacht. Aber auf jeden Fall ging es zum Fotografen, der das für die damalige Zeit obligatorische Foto machte.
Wo und wie wurde gefeiert?
Heutzutage wird ja oft im Restaurant gefeiert. Das war weniger üblich und wäre auch für die meisten Arbeiterfamilien, die hier wohnten, viel zu teuer gewesen. Es wurde also zu Hause gefeiert. Obwohl es meistens nur ein- bis zwei Zimmer Wohnungen waren, kamen Großeltern, Onkel, Tanten, Cousin, Cousine, Freunde. Fehlende Stühle, manchmal auch ein Tisch wurden vom Nachbarn ausgeborgt. Trotz der Enge war es sehr gemütlich. Kuchen gab es in großen Mengen. Große Bleche zum Beispiel mit Streuselkuchen, Bienestich und andere Kuchenformen wurden zu Bäckerei im Nebenhaus gebracht, denn in unserer Küche gab es nur eine Kohleherd. mit einer ganz kleinen Backröhre und auf dem Gaskocher konnte man für kleine Kuchen nur eine sogenannte "Backhaube" verwenden (Draluma).
Zum Abend gab es reichlich Salate, Würstchen, Bouletten und kalten Braten, Käse. Getränke: Bier Likör, Cognac, Bohle, für die Kinder Limonade. Auch für Musik war gesorgt: Wir hatten ein Klavier. Abwechselnd spielten mein Vater und mein Onkel Lieder von Paul Linke, Kollo, und Walzer von Staruss und Schlager aus dieser Zeit. Einer ist mir noch besonders in Erinnerung, er trug meinen Namen: "Das Fräulein Gerda".
Und nun zu den Geschenken:
Zum Andenken an den bedeutsamen Tag bekam ich eine wunderschöne Kette mit passendem Armband und Ring. Dann Sachen für die sogenannte Aussteuer, Bücher, die ich dringend für die Schule brauchte und noch viele kleine Geschenke. Auch damals wurden schon Geldgeschenke gemacht, allerdings keine so großen Summen, wie sie jetzt wohl oft erwartet und auch gegeben werden. Unsere Ansprüche waren damals auch nicht so groß. Wir freuten uns über alles.
Ich habe jedenfalls meinen Konfirmationstag in schöner Erinnerung behalten. Für mich änderte sich danach nichts. Ich ging weiterhin zur Schule. Aber für viele begann der sogenannte Ernst des Lebens; sie begannen eine Lehre oder traten eine Arbeitsstelle an.
1939 war dann für sechs Jahre die letzte Konfirmation in Frieden. In den Kriegsjahren (1940 - 45) fanden die Konfirmationen unter immer schwieriger werdenden Bedingungen statt. Es gab Bezugscheine und Kleiderkarten für Stoffe, Kleidung und Schuhe. Und man musste Glück haben, wenn man rechtzeitig etwas passendes bekommen wollte. Lebensmittel waren rationiert und sparte schon lange vor der Konfirmation etwas auf. Öffentliche Tanzveranstaltungen, sogar die Tanzstunde, wurden verboten. Fliegeralarme und Bombenangriffe wurden immer häufiger. Im März 1945 wurde ein großer Teil der Neustadt zerstört. Oft waren auch Väter, ältere Brüder und andere Verwandte Soldat im Kriegseinsatz oder vermisst in Gefangenschaft, auch schon gefallen, so dass der Konfirmationstag dann in trauriger Erinnerung blieb.
Dann kam die Nachkriegszeit: Sie zeigt sicher eine ganz andere Sicht auf die Konfirmation unter den Bedingungen des Wiederaufbaus der Stadt, Blockade, ihre Teilung und Mauerbau. Aber darüber zu berichten war heute für mich nicht das Thema.
Damit möchte ich die kleine Zeitreise - den Rückblick - beenden. Wir sind wieder in der Gegenwart, im März 2008 angekommen.
Am 23. März war dann die Konfirmation. Wir wurden in zwei Gruppen aufgeteilt. Es waren 43 Konfirmandinnen und Konfirmanden, einmal um 10:00 Uhr und einmal um 14:00 Uhr.
Zuhause war alles festlich eingedeckt. Es gab sieben Torten und am Abend Würstchen und Salat.
Ich wurde reichlich beschenkt - auch von den Nachbarn, bei denen man sich dann am nächsten Tag mit einem Stück Kuchen bedankte.
Meine tollsten Geschenke waren ein Bademantel und eine Schallplatte von Peter Kraus, dem deutschen Elvis und man bekam Aussteuersachen geschenkt. Es war ein sehr schönes Fest mit vielen Verwandten aus der ehemaligen DDR.

Unser Konfirmationsgottesdienst bestand aus Pflicht- und Zusatzkursen. Mein schönster Kurs war eine Fahrt mit Pastorin Koch nach Rotenburg ob der Tauber und Creglingen.
Am Konfirmationstag trug ich einen schwarzen Rock mit einer weißen Bluse und meinen ersten Absatzschuh. Es war gar nicht so einfach, perfekt mit diesen Schuhen zu laufen, aber alles ging gut. Nach der Konfirmation und anschließendem Fotoshooting ging es mit der ganzen Familie zum Feiern in eine Lokal. Auch meine damals beste Freundin, Heike, durfte ich einladen. Meine Eltern hatten die Feier sehr gut organisiert und ich bekam mein schönstes Geschenk: "Eine goldene Kette mit einem goldenen Kreuz". Es war eine sehr schöne Familienfeier, die für mich unvergesslich bleibt.